Bühne
Mutterland-Vaterland
Theater Arth, Arth
„Mutterland Vaterland“ ist ein zeitgenössisches Tanzstück über Herkunft, Macht und Identität. Zwischen Fürsorge und Kontrolle untersucht die Choreografie, wie nationale und kulturelle Prägungen im Körper eingeschrieben sind.
Mutterland Vaterland ist ein zeitgenössische Tanzstuck über Herkunft, Identität und Loyalität.Das Werk erforscht die Spannung Zwischen Mutterland und Vaterland. Der Titel selbst trägt bereits eine Spannung in sich: Das „Mutterland“ steht für Ursprung, Fürsorge, Körperlichkeit und emotionale Bindung, während das „Vaterland“ Ordnung, Gesetz, Autorität und politische Macht symbolisiert. Zwischen diesen beiden Polen entfaltet sich ein choreografischer Raum, in dem individuelle und kollektive Erinnerungen, historische Prägungen und gegenwärtige Identitätsfragen miteinander in Dialog treten.
Die Choreografie arbeitet mit starken körperlichen Kontrasten. Weiche, fließende Bewegungen wechseln sich mit abrupten, kontrollierten Gesten ab. Nähe und Distanz, Halt und Widerstand, Umarmung und Abstoßung werden zu zentralen Motiven. Der Körper wird dabei sowohl als schützender Raum wie auch als Schlachtfeld erfahrbar – ein Ort, an dem sich Liebe und Zwang, Zugehörigkeit und Ausschluss begegnen.
Ein wesentliches Thema von „Mutterland Vaterland“ ist die Ambivalenz von Heimat. Heimat erscheint nicht als romantischer Sehnsuchtsort, sondern als komplexes Geflecht aus Geborgenheit und Begrenzung. Die Tänzer*innen verkörpern Figuren, die sich nach Zugehörigkeit sehnen, gleichzeitig aber unter den Erwartungen und Normen leiden, die mit dieser Zugehörigkeit einhergehen. Wiederkehrende Bewegungssequenzen erzeugen den Eindruck von Ritualen – vertraut, aber auch einengend. Diese Rituale können Schutz bieten, sie können jedoch ebenso Kontrolle und Stillstand bedeuten.
Der Raum wird im Stück nicht als neutraler Hintergrund verstanden, sondern als politisch aufgeladene Landschaft. Linien, Formationen und Blickrichtungen verweisen auf Grenzen, Hierarchien und Machtverhältnisse. Gruppenszenen wechseln mit Momenten radikaler Vereinzelung. Der einzelne Körper steht der Masse gegenüber, versucht sich zu behaupten, anzupassen oder zu entziehen. In diesen Spannungen spiegelt sich die Erfahrung vieler Menschen, die zwischen verschiedenen kulturellen oder nationalen Identitäten leben.
Auch die Generationenfrage spielt eine zentrale Rolle. „Mutterland Vaterland“ thematisiert das Erbe, das weitergegeben wird – bewusst oder unbewusst. Bewegungen werden übernommen, wiederholt, variiert und schließlich gebrochen. Der Tanz wird so zu einem Archiv von Erinnerungen, Traumata und Hoffnungen. Die Körper tragen Geschichten, die nicht immer ihre eigenen sind, und ringen darum, neue Erzählungen zu entwickeln.
Musik und Klang unterstützen diese vielschichtige Erzählung, ohne sie zu illustrieren. Rhythmische Strukturen können an Märsche, Wiegenlieder oder zeremonielle Musik erinnern, lösen sich jedoch immer wieder auf. Stille wird gezielt eingesetzt, um den Fokus auf Atmung, Gewicht und Präsenz der Tänzer*innen zu lenken. Die Geräusche des Körpers – Schritte, Reibung, Atem – werden Teil der Komposition und verstärken die Unmittelbarkeit des Geschehens.
Am Ende bleibt keine eindeutige Antwort auf die Frage nach Heimat oder Zugehörigkeit. Stattdessen lädt das Stück das Publikum ein, die eigenen Bilder von Mutterland und Vaterland zu hinterfragen. Welche Geschichten erzählen wir über unsere Herkunft? Welche Bewegungen erlauben wir uns – und welche verbieten wir uns selbst? „Mutterland Vaterland“ ist kein Urteil, sondern eine Einladung zur Reflexion: ein körperlicher Dialog über Verantwortung, Erinnerung und die Freiheit, sich immer wieder neu zu verorten.
Datum
53 min
Adresse
Theater Arth
Luzernerstrasse 21
6415 Arth
Kontakt
Jansen Lit Dance Tanzschule
Neel Jansen
Tanz
Zwimattstrasse 10
Kussnacht am Rigi
info@lit-dance.com
0787345626/0787319081
Kategorie
- Bühne
Zielgruppe
- Auch für Kinder empfehlenswert
- Offen für alle
Webcode
www.kulturwochenende.ch/g9EQbi